DER MOMENT, INDEM ES KEIN WEGSEHEN MEHR GIBT

Wie meine dunkle Zeit mich zu mir zurückgeführt hat
Ich kenne diesen Moment. Und ich kenne den Weg danach. Lange habe ich gezögert, so offen darüber zu schreiben. Manche haben mir geraten, es lieber für mich zu behalten. Doch ich glaube, dass Schweigen niemandem hilft. Panikattacken, Burnout und Depression sind ernst zu nehmende Erkrankungen. Man sieht sie nicht, so wie man einen gebrochenen Arm sieht. Und gerade deshalb fehlt oft das Verständnis, obwohl der Schmerz so groß ist.
Ich teile meine Geschichte, um Mut zu machen. Mut hinzusehen. Mut zu fühlen. Mut, Hilfe anzunehmen.
Funktionieren bis nichts mehr geht
Ich war eine Perfektionistin. Ich habe mich über meine Arbeit definiert und mir selbst kaum Fehler erlaubt. Auf mich zu achten, kam in meinem Alltag fast nicht vor.
Die Zeichen waren längst da. Ich schlief schlecht und wurde innerlich immer unruhiger. Ich trieb jeden Tag intensiv Sport, als könnte ich davonlaufen. Freundinnen und Freunde sah ich immer seltener. Mein Lebensgefährte sagte irgendwann, dass ich kaum noch lache und mein Gesicht wie versteinert wirke. Ich habe es gehört und weitergemacht.
Im Sommer 2014 fuhren wir für zwei Wochen in die Provence. Endlich Urlaub, endlich durchatmen. Am zweiten Abend, mitten beim Essen, wurde mir plötzlich schwindlig. Ich bekam Schweißausbrüche und eine Angst, die ich bis dahin nicht kannte. Von da an konnte ich kaum noch essen. Meine Gedanken kreisten ohne Pause, und ich stellte mein ganzes Leben in Frage. Ich dachte, ich sei körperlich krank. Dass meine Seele längst um Hilfe rief, verstand ich damals noch nicht.
Zurück zu Hause ging nichts mehr. Ich konnte mich in der Arbeit nicht konzentrieren und weinte ohne erkennbaren Grund. Ich nahm stark ab. Meine Familie und meine Freunde machten sich große Sorgen und drängten mich, zum Arzt zu gehen. Zum Glück habe ich auf sie gehört.
Die Diagnose lautete schwere depressive Episode und Burnout. Die Menschen, die mir nahe standen, waren kaum überrascht. In meiner Arbeit dagegen stieß ich auf Unverständnis, denn dort hatte niemand etwas bemerkt. So gut hatte ich funktioniert.
Aus den geplanten paar Wochen Krankenstand wurden fast acht Monate. Wäsche aufhängen oder den Geschirrspüler ausräumen kostete mich unendlich viel Kraft. Monatelang konnte ich nicht Auto fahren. Ein Einkauf dauerte fast eine Stunde, und selbst ein Kaffee in einem Lokal brauchte all meinen Mut. Oft wachte ich weinend auf oder saß stundenlang da und starrte ins Leere. Ich fühlte nichts mehr.
Auch mein Körper sprach eine deutliche Sprache. Fieberblasen, Neurodermitisschübe, hormonelle Beschwerden und ein quälender Juckreiz begleiteten mich durch diese Zeit.
Was mir geholfen hat
Anerkennen, was ist. Der erste Schritt war, mir einzugestehen, dass ich krank bin. Nicht schwach, sondern krank. Erst dann konnte ich Hilfe wirklich annehmen. Die ärztliche Begleitung war dabei eine große Stütze, und dafür bin ich bis heute dankbar.
Keine Angst mehr vor der Angst. Ich habe gelernt, der Krankheit nicht mit Panik zu begegnen. Sie war ein Teil von mir in dieser Zeit, aber sie war nicht ich.
Ein Tagebuch für die schlechten Tage. An Tagen, an denen gar nichts ging, habe ich meine Ängste und Gefühle aufgeschrieben. Was auf dem Papier stand, musste ich nicht mehr im Kopf tragen.
Wieder Freude finden. Ich habe mir Dinge gesucht, die mir guttun, und dabei meine Kreativität wiederentdeckt.
Menschen an meiner Seite. Ich habe wieder Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbracht und mir Auszeiten genommen, wann immer ich sie brauchte.
Yoga. Auf der Matte habe ich gelernt, meinen Körper wieder zu spüren und ihm zuzuhören. Ich wurde achtsamer mit mir und mit anderen. Und ich habe erfahren, dass Yoga nicht auf der Matte endet, sondern im Leben weitergeht.
Der Weg danach
Heute sehe ich diese Zeit als Wendepunkt. Sie hat mich gezwungen, stehen zu bleiben und mein Leben neu auszurichten. Schwere Tage gibt es auch heute noch. Doch ich erkenne die Zeichen früher und halte rechtzeitig inne, bevor mein Körper es für mich tun muss.
Yoga hat mich nicht mehr losgelassen. Viele Jahre habe ich Hatha und Yin Yoga unterrichtet und mich als Yogalehrerin (RYT 500) mit Yin Yoga und Yoga Nidra vertieft.
Und dann geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Schon als Kind hatte ich wahrgenommen, was sich nicht greifen lässt. In meiner Jugend legte sich ein Schleier darüber, und ich wollte und konnte nichts mehr spüren. Durch Abschiede in meinem Umfeld und durch meine eigene dunkle Zeit erlaubte ich mir, wieder wahrzunehmen. Es fühlte sich an wie ein Erinnern an etwas, das schon immer da war.
Ich begann, mich intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Um diese Gabe zu erden, habe ich mich zur Dipl. Humanenergetikerin und zur medialen und sensitiven Beraterin ausbilden lassen. Klangarbeit, Kinesiologie und Körperarbeit kamen dazu.
Mit meiner Wahrnehmung veränderte sich auch mein Unterricht. Körper, Energie und das, was sich zeigen will, begannen sich miteinander zu verweben. So entstand SoRise Yin.
Heute begleite ich Menschen in meiner Praxis in Hinterbrühl und online, in Einzelsitzungen, im Kreis und in meiner Ausbildung. Bald erscheint auch mein Buch „SoRise Yin – Weg der Erinnerung“. Nichts davon war geplant. Es ist alles aus diesem einen Weg entstanden, der damals in der Dunkelheit begonnen hat.
Was ich dir mitgeben möchte
Wenn du dich in meinen Worten wiedererkennst, dann nimm deine Zeichen ernst. Du musst nicht erst zusammenbrechen, um dir zu erlauben, auf dich zu achten. Nimm dir Zeit für dich und für das, was dir guttut. Vertraue dir. Höre auf deinen Körper, er weiß oft früher als dein Kopf, was du brauchst.
Und bitte nimm Hilfe an. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Mut. Wenn du merkst, dass du nicht mehr weiterweißt, wende dich an deine Ärztin oder deinen Arzt, an eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten. In akuten Momenten erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenlos unter 142.
Energetische Begleitung kann dich auf deinem Weg unterstützen, sie ersetzt aber keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Beides darf nebeneinander bestehen. Beides darf dich tragen.
Ich weiß heute, dass nach der Dunkelheit wieder Licht kommt. Manchmal braucht es nur ein Gegenüber, das dich daran erinnert, wer du bist.
Von Herzen, Claudia



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